Sonja Tajsich

3x Ironman Champion

Monthly Archive: July 2014

Monday

28

July 2014

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Endlich zurück – die Laufform noch nicht….

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unbenannt-219Boah! War das ein hartes Stück Arbeit gestern! Und es hat mich um eine entscheidende Erkenntnis weiter gebracht: Meine Laufform ist noch weit weg von dem, was ich mal konnte und von mir selbst erwarte.

Der Magen-Darm-Virus, der mich beim Ironman Frankfurt zum Wandern gezwungen hat, hatte mich eine ganze Woche im Griff. Doch als es dann besser wurde und ich mich einigermaßen gut erholt gefühlt hatte, wollte ich doch starten in Zürich. Drei Mal war ich bereits Teil dieser Veranstaltung: 2003, 2004 und 2007. Immer mit wunderbarer Erinnerung. Also habe ich fest zugesagt und mich sehr auf diesem Wettkampf gefreut.

Renntag. Bewölkt, Regen vorausgesagt. 15 Grad. Nicht grad mollig warm, aber es könnte ja auch schlechter sein. Zum Beispiel non-stop Regen wie am Tag zuvor. Dann der Start.

Ich hatte das Gefühl super gut zu schwimmen, hatte eine Gruppe, hab mich wohl gefühlt. War der Meinung, das ist mein bestes Schwimmen ever. Mann hat’s mich vom Hocker gehauen, als ich versuche meinen Neo im Wechselzelt abzustreifen und der Sprecher sagt: 1:05 Std! Nur nicht beirren lassen, dachte ich mir, wahrscheinlich war es allgemein ein langsames Schwimmen.

Rauf aufs Rad. Druck von Anfang an, zusammen mit Natascha Badmann. Wie in Frankfurt. Da hat sie mich allerdings erst einholen müssen, in Frankfurt bin ich noch 3 Minuten vor ihr aus dem Wasser gekommen. Egal, ab geht die Post. Ich finde dass die Strecke in der Schweiz ziemlich schwierig ist, obwohl es gesamt gerade mal 1300 Höhenmeter sind: 30km Einzelzeitfahren, Berg, wellig, Abfahrt, Mega-Berg, Abfahrt. Einzelzeitfahren, steiler Berg, und wieder von vorne. Die Anstiege sind recht lang und haben es ganz schön in sich. Beim zweiten Berg hab ich glaub ich etwas übertrieben und bin ganz schön „explodiert“. In der nassen Abfahrt ist mir Natascha dann davon gefahren. Ab da hab ich ziemlich gelitten und beim letzten Mal Heartbrake Hill dachte ich, ich komm gar nicht mehr rauf. Die Radzeit war trotzdem in Ordnung, unter 5 Stunden, zweit beste Zeit der Frauen. Die Ausgangsposition ganz gut und ich war mir sicher, dass es für den zweiten Platz reicht, vielleicht für den ersten.

unbenannt-175Doch ich wurde eines besseren belehrt. Ab dem fünften Kilometer wollten meine Beine eigentlich überhaupt nicht mehr laufen. Ganz schön lang der Marathon! Nach 15 Kilometern konnte ich nicht glauben, dass ich noch nicht mal die Hälfte hab. Ich hab zwar Zeit gut gemacht, aber auch verloren. Hallo Beine! Wo seid Ihr? Irgendwie sind sie dann weiter gelaufen, die Beine, wenn auch nicht so schnell wie ich es ihnen eigentlich befohlen hab. Aber ich war froh, dass sie laufen. Weiter laufen. Immer weiter. Ein Kampf. Die Laufstrecke hat vier Wendepunkte, zwei Unterführungen und einen fiesen Berg durch einen Park mit Spitzkehre bergab. Und das ganze vier Runden! Nicht grad die schnellste Strecke die ich kenne, aber abwechslungsreich, das muss man lassen. Der Dixi-Toiletten Stop war dann mein zweiter Platz. Aber der war echt wichtig! 20 Sekunden Rückstand hatte ich 2 Kilometer vor dem Ziel. Aber Kristin kam in Eilesschritten von hinten und meine Beine gehörten nicht mehr zu mir. Der Kopf schief, keine Möglichkeit den Zuschauern zu danken. Obwohl ich so dankbar war – für alle Unterstützung auf der Strecke, von Zuschauern und von den Athleten! Sonst hätte es wahrscheinlich nicht mal mehr fürs Podium gereicht. Tom hat aufs Zieleinlauf-Bild verzichtet um mir 1,5 km vor dem Ziel noch den letzten Push zu geben. Wir haben beide alles gegeben. Für Platz zwei hat es trotzdem nicht mehr gereicht. Aber fürs Podium, welche Erleichterung. Im Ziel ging es mir nicht so gut, aber mittlerweile – nach dem leckeren Abendessen (danke Melchior!) mit dem größten Eisbecher meines Lebens, sah die Welt schon wieder etwas besser aus.

FotoUnd jetzt geht es weiter. Ich hoffe dass ich mich schnell erhole. Dann steht als erstes nächsten Sonntag die Kurzdistanz in Regensburg an (ich weiß zwar noch nicht wie, aber versprochen ist versprochen) und dann liebäugel ich mit dem Ironman Mallorca. 9 Wochen Zeit um die Laufform auch noch wieder auf Vordermann zu bringen. Stück für Stück. Und ich muss auch sagen, dass ich meiner Nicht-Teilnahme in Kona nicht nachtrauere – zum einen weil Lisa in die Schule kommt und ich sie nicht gleich wieder aus dem Klassenverband rausnehmen möchte und zum anderen, weil ich finde auf Kona 100% Leistungsbereit sein zu wollen um mich mit den Besten zu messen. Und da bin ich nach der langen Verletzungspause doch noch ein gutes Stück von entfernt.

Aber jetzt erhole ich mich erstmal!

Monday

7

July 2014

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Ein Sieg der anderen Art

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unbenannt-28-2Wie vom Pech verfolgt – ja, genau so fühle ich mich im Moment und es fällt mir schwer, die richtigen Worte zu finden. Doch bevor ich meinen gestrigen Tag schildere möchte ich etwas loswerden:

DANKE! Danke an alle die an der Strecke standen und mir zugerufen, mich motiviert und aufgefordert haben, weiter zu machen, das Rennen ins Ziel zu bringen. Ja sogar angefleht und angeschrien, ich bin heute noch von den Socken. So hart solche Momente sind, so wunderbare Augenblicke gibt es auch hier. Und ohne Euch wäre ich heute noch viel frustrierter. Durch das Finish kann ich abhaken und nach vorne schauen. Das ist viel wert.

Begonnen hat der Tag perfekt: Sonja-Wetter, die Vorbereitungen nach Plan, Startschuss. Mein Schwimmrückstand in Grenzen, die Zeit für mich hervorragend. Ich war sehr zufrieden. Und noch zufriedener als ich die ersten Radkilometer hinter mich gebracht hatte – denn: Es lief. Und zwar richtig gut. Das erste Mal seit längerem, dass ich bombastischen Druck hatte. Ich war so euphorisch! Klar gibt es so richtig harte Momente (besonders das zweite Mal den Berg Bergen-Enkheim) und Schreckmomente (der Nahkontakt einer Radfahrers vor mit dem Strohballen – ist aber nichts passiert), aber alles in allem kein nennenswerter Einbruch und wieder so richtig Freude in der zweiten Disziplin. Und als mir dann Tom, mein Mann, total überwältigt zurief, dass mein 9-minütiger Rückstand auf nur noch 3 Minuten geschrumpft ist, war ich fast überzeugt davon, dass heute MEIN Tag ist. Weil das Laufen ist meine Bank. Das klappt immer. Egal wie kaputt ich vom Rad steige. Zumindest war das bis gestern so, ausnahmslos. Also kam ich überhaupt nicht auf die Idee, dass es mal anders ist.

unbenannt-183Schon gleich zu Beginn war das Gefühl sonderbar. Unrund, eingesunken. Nicht wie sonst. Ich glaubte noch fest daran, dass sich das ändert, wie sonst auch. Nach 3 Kilometern würde ich meinen Rhythmus finden. Normalerweise. Nicht aber gestern. Der Sieg und Titel gefühlt zum Greifen nah schwand und schwand in weite Ferne.  Selbst die aufmunternden Worte von Tom „versuch rund zu laufen, mach dich groß“ halfen nichts. Meine Laufgeschwindigkeit von 4:18 Min pro Kilometer sank auf 4:50 Minuten pro Kilometer und nach Halbmarathonmarke wurden die Magenkrämpfe dann so schlimm, dass ich keinen Schritt mehr vor den anderen setzen konnte. Ich sagte zu Tom, dass ich gerne finishen möchte, also ging ich weiter.

Ein langer Tag. Wandertag. Ich versuche es kurz zu machen: Marschieren, Stoppen, Krampf abwarten. Ich treff Wenke, unsere sportliche Leiterin meines Teams ERDINGER Alkoholfrei. Ich falle ihr um den Hals und klage mein Leid. Und frage ob es ok ist, wenn ich weiter mache, Hauptsache ins Ziel. “Klar, bringe es zu Ende!” Marschieren. Telefon von Passanten ausgeliehen, meine Eltern angerufen und gebeten Tom Bescheid zu sagen (ich wusste seine Nummer nicht mehr auswendig…), dass er und meine treuen Freunde am Straßenrand doch in ein Cafe gehen sollen, ich brauche wohl noch etwas länger. Ich wusste er macht sich bestimmt Sorgen.

Parkbank. Welche Erlösung. Ich weiß nicht wie lange ich da gekrümmt saß. Ich hab zugeschaut wie die erste, zweite und dritte Läuferin vorbei kommen. Dann hab ich mich wieder auf den Weg gemacht. Wandern. Mir war klar: So hat das keinen Sinn. Finishen gestrichen.

Wenn Ihr nicht gewesen wärd. Zurufe noch und nöcher: „Du schaffst das!“, „Brings ins Ziel“, „Super Kampfgeist“. Anflehungen: „Sonja, bitte lauf. Bitte, ich lauf auch mit, ich warte auf Dich, ich steh nächste Runde noch hier. Du musst nochmals kommen“. Also bin ich losgetrabt. Ich sah Eva (Wutti) von hinten kommen, das war wohl bei mir KM 29, bei ihr 39,5. Ich feuerte sie an: „Eva, ich bin so stolz auf Dich dass Du es durchgezogen hast! Super! Weiter so, gleich hast Du es“. Was für ein riesen Schock, als ich sie dann sah – 200m vor dem Ziel. Ich konnte es nicht fassen. Wäre nicht Fredi (von Sailfish) und 3 Sanitäter bei ihr gewesen, wäre ich nicht weiter gelaufen. Wir haben heute mehrfach telefoniert und ich bin sooo erleichter, dass es ihr gut geht.

unbenannt-218-2Dann hab ich meine Freunde getroffen, sie standen noch da statt im Cafe zu sitzen. Lisa (unsere kleine Maus) war bei meinen Freunden und sagte: „Mami, bitte mach weiter, bitte lauf ins Ziel“. Also bin ich weiter getrabt. Dann treff ich Daniel, sein erstes Langdistanzrennen und Krämpfe in den Beinen. Ich hör wie seine Freundin sagt: „Ich warte im Ziel!“ und ich meinte dann: „Komm, lass uns gemeinsam das Ding zu Ende bringen“. Ich konnte wieder traben, nicht mehr gehen, zusammen mit Daniel in 5:30 Min/km. Von Versorgung zu Versorgung. Brezeln und Cola. Zurufe der Zuschauer. Freudige Worte, dass ich kämpfe und nicht aufgebe. Ein paar Dixi-Toilleten zwischendrin. Die letzte Brücke. Noch eine Versorgung. Brezeln, Cola. Der Zielkanal. Für mich so emotional wie ein Sieg. Die Zuschauer unglaublich. Trommeln, Klatschen, Zurufe. Wie ein Sieg. Ein Sieg der anderen Art. Danke Euch!

Und im Ziel steht mein liebster Tom und wartet. Und meine lieben Freunde. Mit Lisa. Ich hätte heulen können… Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass es ein Virus ist. Tom ist auch krank. Kann das sein? Ausgerechnet? Fast unglaublich. Aber mir bleibt nichts anderes übrig als das zu akzeptieren und nach vorne zu schauen. Und mich an der Schwimm- und Rad-Form zu erfreuen. Und an den treuen Zuschauern und Fans…